Vom Gespür für Kommunikation

Was wird die Covid-19-Pandemie in der Kommunikation(slandschaft) wirklich verändern? Welche Maßgaben kann man auch für die Zukunft der Marken- und Unternehmenskommunikation als weiter gegeben annehmen?

Ich meine: Es braucht deutlich mehr Fingerspitzengefühl und Markenempathie. Die Lokalität von Kampagnen wird wichtiger, weil die „Sensibilität“ der Menschen ein kulturelles Thema ist. Aber bevor ich da Schlagworte und Gedanken in den „virutellen Raum“ werfe, sortiere ich das ein wenig.

Now we are digital

Wer es vorher noch mit Skepsis betrachtet hat, der musste nun zugestehen: Wir sind nun digitalisiert. Die launige Frage: „Wer hat in Ihrem Unternehmen die Digitalisierung vorangetrieben? Der CEO? Nein, der Coronavirus!“ ist leider wahr. Die soziale Distanz, die wir alle einnehmen mussten, hat die Grenzen von offline und online aufgelöst. Unser Arbeiten, Lernen, Leben, Einkaufen, Essen bestellen, mit Freunden oder der Familie in Kontakt bleiben, wurde auf digitale Kanäle verlegt. Für einen unserer Kunden, im Bereich Live-Learning/ Weiterbildung haben wir viele Studien durchgearbeitet: Die Angst vor der Digitalisierung ist nun der Hoffnung auf die Möglichkeiten deutlich gewichen. Diese Basis bietet viele Vorteile für Kundenbindung, persönliche Kommunikation über digitale Devices,… in Zukunft.

We´re at home now!

Wer bis vor COVID-19 im Homeoffice arbeiten wollte, hatte vielfach heftige Diskussionen. Wir haben nun gelernt, dass das funktionieren kann – jedenfalls in den Jobs, die man zuhause auch erledigen kann. Produktivität – teilweise Überarbeitung – waren in der Coronazeit bemerkbar. Isolation ist einer Horde von Videokonferenzen gewichen und hat aufgezeigt, dass effizientes Arbeiten und Effektivität auch so gegeben ist. Dank der Leistungsfähigkeit der Netzbetreiber hat das Web diese neue Arbeitsweise in Österreich auch mitgetragen – und auch Innovation wurde hervorgebracht. Wer hätte es für möglich gehalten, dass Konzerne wir Google und Apple gemeinsame Tracing Apps aufsetzen werden. Vor COVID-19 undenkbar. Produktivität ist nun anders bewertbar geworden. Das Office ist nicht mehr der einzige Ort, von dem aus arbeiten möglich ist. 

Von Social Distance und Fremdeln

Masken, Schutzwände, Handschuhe, Kontaktfreiheit, Abstand halten,… wir haben rasch gelernt, dass es einen „Respektabstand“ zu Menschen gibt. Ich weiss nicht, wem von euch es auch so ging, aber manchmal wurde man auf den Gehsteigen schon regelrecht überrannt. Das Erlernen des Social Distancing hat den Fokus nun verrückt. Berühren, sich Nahekommen, will nun wohl überlegt sein. Auch, wenn sich dieser Aspekt voraussichtlich wieder auflösen wird, aber „übergriffiges“ Verhalten, wird nun noch mal ganz anders gesehen werden. Bildsprache, Video werden hiervon voraussichtlich mit beeinflusst. Jedenfalls in diesem Jahr, werden uns Bilder von Menschenansammlungen eher verstören, als erfreuen.

Purpose – was wirklich „Sinn“ macht

Was zuvor eine leere Marketing-Worthülse war, ist nun eine fokussierte Betrachtung von unfairem und gewinnorientiertem Handeln geworden. Adidas, die die Mieten gleich mal nicht mehr bezahlen wollten, obwohl der Bilanzgewinn beträchtlich war. Unternehmen, die trotz Kurzarbeit, massiv weiter ihre MitarbeiterInnen eingesetzt haben, all diese (und viele mehr) „unternehmerischen Charakterschwächen“ werden nun in Zukunft anders bewertet werden. Der „leere Purpose“ hat nun eine Chance zu einem wirklichen „Sinn“ zu kommen. Sinnstiftende, menschliche Kommunikation erlebt jetzt – endlich – einen Raketenstart und bringt uns KonsumentInnen hoffentlich wertvollere Inhalte – also den so heiß ersehnten Mehrwert.

Systemrelevanz vs. Bullshit

Wir haben gelernt, wer für den „Erhalt unseres Systems“, die Absicherung unseres Wohlstands, wesentlich ist und was/ wer in die Kategorie „nice to have“ fällt. Auch wenn so mancher sein Geschäft rasch mit einem Onlineshop versehen hat, war man sich dennoch der Umsätze nicht sicher. Menschen haben nun – auch in einem der „reichsten Länder“ der Welt – massive Existenznöte. Viele sind um ihre Einkommen oder Umsätze gebracht worden. Und viele ziehen hier auch noch einen Pulk an weiteren Auftragnehmer, freien Mitarbeitern,… mit. Gerade in dieser Situation ist Humor in der Kommunikation „auf die Waage“ zu legen, sind Scherze unangebracht, werden unternehmerische Entscheidungen noch einmal mehr sozial relevant. Das System Wirtschaft/ Wegwerfgesellschaft steht auf dem Prüfstand. Sind Vorgaben an C-Levels laufend „mehr“ zu erwirtschaften tatsächlich wichtig? Oder ist es „ausreichend“, dass man „Mitarbeiter, Lieferanten bezahlen kann und seine Kunden happy macht“.

Local is the hero

Was klar wurde, ist dass wir als Wirtschaftssystem „anfällig“ sind. Wir haben gesehen, wie viel aus Fernost/ China, etc. kommt und wir mussten lernen, welche Industrien wir hierzulande bereits „ausgelagert“ haben. Hier werden zwar viele der logistischen Grundleistungen neu zu denken sein, aber wenn dieses Umdenken nicht auch politisch gefördert wird, ists mit dem „neuen Denken“ auch gleich wieder vorbei. Hier haben wir nun eine Chance. Auch eine Chance in der Kommunikation! Darauf hinzuweisen Wertschöpfung in vielen Bereichen wieder nach Österreich zurückzuholen, kann viele der Jobs bringen, die wir für die Mengen an Arbeitslosen aktuell brauchen. Dies wäre ein „Frame“, den ich mir in der politischen und auch unternehmerischen Kommunikation durchaus wünschen wurde.  

 

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