Greta talks

Kaum jemand polarisiert aktuell so sehr, wie Greta Thunberg. „If nobody hates you, you´re doing something wrong!“ könnte man fast sagen. Insofern scheint sie aktuell ganz viel richtig zu machen. Wir wollen uns aber heute mit Greta aus Speaker Sicht auseinandersetzen. Gerade kürzlich war sie bei der Jugendklimakonferenz und im Frühling diesen Jahres sprach sie vor der EU, beides „Change-Reden“ mit Wumms.

Liv Oeian / Shutterstock.com

How dare you?

Beide ihrer Vorträge finden mit großer Wahrscheinlichkeit Eingang in unsere „best of“-Archive, weil sie das haben, was sich alle Speaker so sehr wünschen: Ein gerüttelt Maß an Authentizität. Was man sagen kann, ist, dass Thunberg sich – wie so oft – an keine Regeln für gelungene Vorträge hält. Sie hat nur eine Regel, die wirklich guten und eindringlichen Speakern gemeinsam ist: „Repetition is the mother of learning“.

Sie bringt ihre Texte niemals fehlerfrei, sie weint, stammelt, beschwört – aber gerade das wirkt. Aufgrund ihrer Jugendlichkeit und auch aufgrund ihrer Erkrankung holt sie sich Sicherheit durch ihr Manuskript. Sie liest ab, kein Problem, weil sie dennoch, die Pausen und dramatischen Momente gut platziert. Thunbergs Sprache ist klar und setzt Metaphern (Storytelling z.B. Haus auf Sand gebaut) ein. Ihre Skizze unserer Zukunft nicht vergleichbar mit „I have a dream“ Ansprachen – sie ist nicht positiv (bringt haufenweise Konflikte) – wie sollte sie auch. Was Greta skizziert ist ein Horrorbild mit einem klaren Termin: 2030 erreichen wir den Point of no return. Change kann also nur vor dieser „roten Linie“ passieren.

ich und ihr. heute und morgen.

Greta setzt zwei Pole: „ich“ und „ihr“. „Ihr“ sind diejenigen, die die aktuelle Lage dramatisch unterschätzen und politisch nicht agieren. Mit ihnen hat Greta (und ihre Generation) wenig gemeinsam außer der Präsenz am selben Planeten. Die heftigen Gegenreaktionen der Greta Hater zeigen deutlich, dass sie mit ihren „Anklagen“ wunde Punkte trifft.

Ihr „call for action“ kommt gleich zum Einstieg wie ein Hammer „My name is Greta Thunberg. I am 16 years old. I come from Sweden. And I want you to panic. I want you to act as if the house was on fire. …“ Wie in jeder guten Story widmet Thunberg „dem Problem“ viel Redezeit. Sie wird nicht weich, schwächt nicht ab, sondern prognostiziert eine alptraumhafte klimatische Entwicklung.

Ein wiederkehrendes „Motiv“ ist das massenhafte Aussterben von Tierarten als trauriges Zeichen, dass wir uns auch bald selbst ums Leben bringen. „Sie“ zieht ihre roten Linien uns redet davon, dass „ihr“ es für die künftigen Generationen unmöglich macht zu überleben. Die direkte Ansprache geht immer ins Marke. „I beg you, please do not fail on this.“

Die zweite rote Linie „heute“ vs. „morgen“ soll aufzeigen, dass keine Zeit bleibt. Sie schiebt damit die beiden Zeitachsen zueinander und verkürzt rhetorisch so den Zeitraum zum Handeln. „Well, our house is falling apart and we are rapidly running out of time. Everyone and everything needs to change. “

Lassen wir das einfach mal so wirken…

Die beiden Speeches:

 

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