Scream for stream

Wer hat nicht schon vom Streamingdienst Netflix gehört oder von der grandiosen Serie „house of cards“ mit Kevin Spacey in der Hauptrolle? Die Welt des Fernsehens hat sich damit dramatisch verändert. Schaut nur unseren Teenagern über die Schulter, wenn sie in ihre Smartphones starren und ihr seht, was sich verändert hat. Es wird ferngesehen, wann man will, was man will und am allerbesten ohne Werbung. Rechts so! Warum das richtig erscheint? Ganz einfach deswegen, weil der Konsument den Ton angibt und sein Programm wählt. Customercentricity – mein liebstes Wort in der Kundenberatung (in meinem Job als Storytelling-Consultant) und gleichzeitig der schwerste „Job“ in der Kundenberatung. Der „Kunde ist König“ oder besser: „Beherrscher der Welten. Das hört sich vielleicht groß gegriffen an, aber im Falle von TV ist es immer häufiger nicht mehr so wie bisher! Durch die Wahl eines TV-Kanals in dem das Lieblingsfilmchen oder die 3.000 Folge von „Das perfekte Dinner“ (bei denen übrigens immer weniger Mitwirkende tatsächlich kochen können, sondern küchendilettierend Lebensmittel verwerten) gesehen wird, fallen tiefgreifende Entscheidungen nicht auf, doch Tatsache ist, dass immer mehr Inhalte „on demand“ konsumiert werden. 41 EUR GIS-Gebühr für 2 Monate – wie ich sie zu berappen habe – bei gleichzeitig immer übler werdenden TV-Programmen z.B. des ORF machen „keinen Sinn mehr“. Gerade staatliches Fernsehen hat einen gebührenfinanzierten Vorteil, der bei gleichzeitiger, heftiger Ignoranz des Bildungsauftrags und der gesetzlich verankerten staatlichen Beschränkung der zeitlichen Verfügbarkeit von digitalen Inhalten wenig attraktiv ist. Dem können immer weniger Menschen etwas abgewinnen. Alle die nun meinen das Streamen sei doch noch nicht so sehr in der Mitte angekommen, sei diese Zahl an den Kopf geworfen: 37% des Internettraffics (in den USA) stammt aktuell von Netflix. Gebt also all dem „Trend“ noch die obligaten 2-3 Jahre, die etwas über den Atlantik zu uns braucht und es tut sich eine Grand Canyon-tiefe Schlucht zu den jetzigen Fernsehgewohnheiten auf.

Binge-Watching

Und weil es so fein ist, etwas Werbefreies zu sehen und seine Lieblingsserie gleich in mehreren Folgen verschlingen zu können, gibt es dafür einen Begriff: „Binge Watching“. Wenn Serienmacher ihre Qualität über die Aufmerksamkeit des Users/Sehers definieren, dann kann man Binge-Watching beruhigt als Revolution definieren.
Ähnlich einem Buch, in dem man auch nicht nur jede Woche ein Kapitel liest, sondern wenn´s mal läuft gleich 3-4 Kapitel oder gar das ganze Buch in einem „Happen“ könnte man Binge-Watching, als „Seriensehen bis zur Ermüdung“ bezeichnen. Das ist unvorstellbar, wenn man die 800 Folge von den Simpsons vom ORF serviert bekommt, macht aber Sinn, wenn man „Suits“, „Orange is the new black“ o.ä. folgen will.

In einem aktuellen wired-Interview mit dem CEO von Netflix Reed Hastings sinniert der, nicht als Philosoph bekannte Christian Ulmen über das, was Seher sich ebenfalls immer häufiger denken: Das Gedankenmodell der TV-Stationen ist veraltet „Wir haben mit vier Krankenhausserien Quote gemacht und Geschichten, in denen Frauen ihren Partner verlieren und sich neu verlieben, die laufen eh wahnsinnig gut – also denk doch mal in die Richtung.“ Streaming-Plattformen dagegen „sitzen da und wollen einen Pitch erleben, nach dem sie aufspringen, jubeln und rufen „Wow, das kickt uns!…“ Sie haben verstanden, dass schlau gemachtes Programm zur Differenzierung beiträgt und wenn man es richtig macht Seherzahlen bringt. Wann kommt der Tag, an dem TV-Stationen dies auch denken?

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