Fokussierung

Die letzten Wochen haben einige Veränderungen mit sich gebracht. Und gut ists. Es ist die Geschichte einer Reise. Eine Reise, die ich im Laufe meines beruflichen Werdegangs immer mehr zu jenem Kern gebracht hat, der heute meinen Alltag dominiert.

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Und wie könnte es anders sein, dieser Kern hat natürlich mit Stories zu tun. Über die Jahre meiner beruflichen Tätigkeit, haben sich „Geschichten“ immer wieder als probate Mittel, der entscheidungsfindigeren Kommunikation erwiesen. Egal ob ich zum Start meines Arbeitslebens als kleines Redaktionspflänzchen bei Kurier Freizeit „Artikel-Partikel“ schreiben durfte oder ob ich im Rahmen meiner Gastronomie-Jahre gelernt habe, wie wichtig Geschichten für Entscheidungen sind. Warum das?

Die Waldschwein-Schnitzerl-Story

Storytelling wird innerösterreichisch als „G´schichtldrucken“ abgetan. Ein Erkenntnis meiner mittlerweile seit 1989 weilenden beruflichen Entwicklung ist aber, dass Menschen leichter Entscheidungen treffen, wenn diese auf emotionalen Codes beruhen. Und diese Codes kommen einfach und leicht annehmbar in Anekdoten, Geschichten und Analogien an. Die kleinsten Keimzellen des Storytelling.

Um das besser zu verdeutlichen, bringe ich ein Beispiel: Wenn wir im Restaurant die Karte durchschmökern, fällt es uns oft schwer eine Entscheidung für ein Gericht zu treffen. Kommt der Kellner dann zum Tisch und empfiehlt „Wir haben noch ganz herrliche Entrecotes, die wir Ihnen mit diesem und jenem zubereiten“, so ist es ein Faktum, dass rd. dreiviertel aller Gäste, diesen Empfehlungen nachkommen. Sie haben mehr Codes, bringen Bilder im Kopf, weil man mehr Information, als über die Karte erhält, Attribute wie „ganz frisch“, „herrliche“ u.a. lenken den Kopf in die Entscheidungsebene.

Noch eine Nummer tiefer ging ich in meinem gastronomischen Vorleben (Steirerstöckl oder bei Mirli). Beispielsweise gab es im Steirerstöckl „Waldschweinschnitzerl“. Ein simples Schweineschnitzerl, aber mit einer besseren Geschichte – und darum der Hotseller des Lokals: „Ein Waldschwein ist eine besondere Züchtung. Eine Kreuzung zwischen Haus- und Wildschwein. Es lebt schweinisch glücklich im Wald und auf den Wiesen in der Steiermark (siehe hier) und zeichnet sich durch eine ganz besondere Fleischqualität aus.“ Ratz-fatz und die Bestellungen trudelten schon ein…
Für mich gab es daraus wichtige“Lehren“ (Anm.: und gutes Trinkgeld): Die „Kunst der Entscheidungspsychologie“.

Being disruptive

Die weiteren Bestandteile meiner Storytelling-DNA sammelte ich bei internationalen Agenturnetzwerken, wie EuroRSCG, LoweLintasGGK (damals), TBWA (bekannt für den Disruption-Ansatz) – hier suchten „konzernartige“ Kommunikationsriesen immer nach dem Kondensat ihres Tuns. Jedes dieser und auch alle anderen Netzwerke, die ich kennenlernen durfte, haben Geschichten dazu genutzt, ihre Identität zu vermitteln. An Stelle guter Geschichten (beispielsweise die, um David Ogilvy oder jene eines Lee Clow von ChiatDay, u.a.) machten aber später immer mehr hohlen Philosophie-Phrasen Platz, die sich in den 80er und 90er Jahren auf die Kunden „stülpten“ – und die heute bei Kunden Abwehr auslösen. Diese wollen (Anm.: badauz wie dies!?) nowadays ihre Probleme gelöst wissen und nicht Philosophie einkaufen. Ein Umbruch. Und in meinem Kopf ein Lernen.

Schließlich brachte mich der Weg nach Agenturnetzwerken mit Gastronomie-Intermezzi in die Selbstständigkeit. Es war mir immer klarer geworden, wie Kommunikation heute laufen muss. Was Menschen schon immer suchten…Nämlich: Einfachheit.
Einfachheit in einem „Dschungel“, in dem alle über die Bedienung von Kommunikationskanälen (klassische Werbung, Mobile, Social Media, PR,..) reden, aber nur ganz wenige über die Zusammenhänge, über den Roten Faden.
In dem man sich auf Kundenseite über Budgettöpfe definiert hat, anstatt über den kollaborativen Roten Faden und die Beantwortung der Konsumentenfrage „What´s in it for me?“. Wo ist die story (in des Konsumenten Hinterkopf), die eine Entscheidung z.B. am Supermarktregal einfach macht?

Das dritte Ohr des Konsumenten

Nunmehr haben ich mich mich Jänner 2013 dem „dritten Ohr“ der Kunden/Konsumenten/Stakeholder verschrieben.
Ein anatomisches Kuriosum? Nein, ein „Bild“ für den Kopf. In all dem, was Menschen über Marken/ Unternehmen/ NGO´s/ Personen usw. wahrnehmen, muss es einen Kern geben, der sich einprägt und Handlungen auslöst. Dieser Kern setzt sich im Gehirn fest und kann im besten Fall positive Assoziationen just dann auslösen, wenn es darum geht Entscheidungen zu treffen (Kaufentscheidungen, Wahlentscheidungen, Personalentscheidungen,..uvm.).

Ich nenne diesen Kern das „dritte Ohr“ – es liegt, anatomisch gesehen, zwischen dem Gehirn und dem Herzen und ist das, was man umgangssprachlich als das „Bauchgefühl“, die „Bauchentscheidung“ bezeichnet. https://brienchen.wordpress.com/2011/11/20/warum-storytelling/

Geschichten sind – aus der Logik, wie unser Gehirn „funktioniert“ – der beste zuverlässigste Weg, den Menschen etwas mitzugeben, das zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Impuls etwas auslöst. Was sie auslösen wollen, ist ihre Entscheidung 🙂

Meine Entscheidung ist es nun, diesen Themen meinen weiteren beruflichen Weg zu widmen: It´s all about storytelling, strategy & content.

Der Wehrmutstropfen: Ich bin nun ausschließlich der SVA ausgeliefert. 😉

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2 Gedanken zu “Fokussierung

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