Die Geschichte eines Abschieds

Wie viele der Menschen, die in den letzten Wochen gezetert haben, haben wohl die Financial Times Deutschland regelmäßig gelesen? Hätten Sie es getan, wäre es wohl nicht dazu gekommen, dass dieses wertvolle Medium per 7.12. vom Markt verschwunden wäre!

Die Arten, die man für einen Abgang wählen kann sind höchst unterschiedlich. In Österreich würde massiv „gejammert“ werden, in Deutschlang wählt die FTD einen sympathischen, wenn auch schmerzenden Weg. Sie führte uns – mit polemischen und gekonnten Headlines und Bildern, das Scheitern einer intellektuellen Elite vor Augen.

Es begann mit der „Verneigung“ der Redaktion und einer Nachricht an alle, die am Tod „mitgewirkt“ haben…

Entschuldigung, liebe Gesellschafter, dass wir so viele Millionen verbrannt haben. Entschuldigung, liebe Anzeigenkunden, dass wir so kritisch über Eure Unternehmen berichtet haben. Entschuldigung, liebe Pressesprecher, dass wir so oft Euren Formulierungsvorschlägen nicht gefolgt sind. Entschuldigung, liebe Politiker, dass wir Euch so wenig geglaubt haben. Entschuldigung, liebe Kollegen, dass wir Euch so viele Nächte und so viele Wochenenden haben durcharbeiten lassen. Entschuldigung, liebe Leser, dass dies jetzt die letzten Zeilen der FTD sind. Es tut uns leid. Wir entschuldigen uns vorbehaltlos. Aber: Wenn wir noch einmal von vorn anfangen dürften – wir würden es jederzeit wieder genauso machen.

FTD Facebook

FTD Facebook

Gefolgt ist ein letztes Sujet „Adieu“ via facebook und eine Reihe von Letzten Willen, die besonders lesenswert von den Kolumnisten der FTD geschrieben wurden.

Sujet Red Baron Werbeagentur für FTD

Sujet Red Baron Werbeagentur für FTD

Qualitätsjournalismus

…kommt immer mehr unter Druck.  Wir spüren in Österreich ebenfalls bereits ein zartes Lüftchen von diesem Sturm. Es sind über 20 Redakteure, die zum Beispiel bei DIE PRESSE abgebaut werden, oder identitätsstiftende Karikaturisten, wie Tex Rubinowitz (siehe unten der facebook Eintrag vom ihm), die dem Rechenstift zum Opfer fallen.

tex_rubinowitz_facebook

Doch es gibt Medien, die dem Erodieren der Branche wirklich eine harte und pointierte Meinung und Strategie entgegenhalten. Und sie funktioniert. Ich sehe es so, wie Giovanni die Lorenzo es so treffend schreibt: „Wir sind keine Holzhändler. Es geht um den Inhalt, nicht um die Form.“

Adieu FTD.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s