Wikileaks – eine mehrteilige Krimiserie?

Die geballt Kraft des Web stellt sich gerade an dem Fall Wikileaks unfassbar zur Schau. Es scheint, wie die tägliche Folge einer „real life soap“, die für uns alle nicht greifbar scheint, aber dennoch die Macht des Web aufzeigt. Das Eigenartige ist, dass Social Media Kanäle nicht nur eine Möglichkeit des Protests und der Meinungsäußerung schaffen, sondern auch der Aufdeckung dienen.

Egal, ob man richtig oder falsch findet, was das Team rund um Assange via Wikileaks veröffentlicht, die Dikussion wurde angesichts der Geschehnisse und Aktionen der Kontrahemten von wikileaks an diesem Wochenende von jeglicher qualitativen Diskussion entkoppelt worden und in eine andere Wirklichkeit übergeführt.

Nachdem die Veröffentlichungen der jüngsten #cablegate Dokumente von statten ging, rückte Julian Assange in die Mitte der Zielscheibe unzähliger – aber jedenfalls mit Sicherheit des amerikanischen Geheimdienstes. 

  • Es liegt nahe, dass man beschloss ihm seiner Integrität als Person zu berauben und ihm wegen Vergewaltigung anzuzeigen. (Das schwedische Gesetz, entbehrt jeglicher Sinnhafitgkeit, weil es einvernehmlichen Sex, wenn kein Kondom benutzt wird, als eine strafbare Handlung seitens des Mannes bezeichnet, die mit einem Minimum von zwei Jahren bestraft wird.) Die Opfer Anna Ardin und Sofia Wilén entblätterten sich via Social Media und sandten sich gegenseitig tweets über ihre „Eroberung einer bekannten Persönlichkeit“. Die Warnungen zweier Opfer“ fehlen hierin völlig. Z.B. kann man lesen, dass Anna Ardin via Twitter am Samstag den 14. August um 14:00 Uhr: „Julian will auf eine Langusten-Party gehen, hat jemand einige Stühle frei heute oder morgen?“ oder Am frühen Morgen des 15. August um 2:00 Uhr via Twitter: „Sitze draussen um 2:00 und friere nicht mit der Welt coolsten smartesten Leuten, es ist fantastisch!“ Na ja,…
  • Der wikileaks Krimi ging mit der „Entserverung“ weiter und wieder schlug Social Media Wellen: Amazon droppte wikileaks von den Server und bekam den Hass der Massen zu spüren. Via http://www.facebook.com/pages/Boycott-Amazon-for-Dumping-Wikileaks/174975139187861 konnte man seine Abneigung gegenüber Amazon Ausdruck verleihen. Die „Antwort“ der Enthüllungsplattform waren mehrere Servermigrationen und schließlich der Auruf zum Spiegeln der Wikileaks main site http://wikileaks.info/ für den Falls, dass die Wikileaks gehackt oder abermals auf Druck „abgeschalten“ wird.
  • Das eBay-Tochterunternehmen Paypal deaktivierte dann schließlich das Spendenkonto der Enthüllungsplattform. Da wikileaks „illegale Aktivitäten fördere und Dritte dazu anleite“, habe die Organisation gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen. Auch darauf gab es umgehend via Social Media Antwort: http://www.facebook.com/posted.php?id=146327552084447 
  • Die Assange insurance – Egal wie man das Vorgehen von Julian Assange bewertet, er hat sich hackertypisch abgesichert! Schon Tage nach den Afghanistan Veröffentlichungen wurden neue Files upgeloaded und als „insurance“ gepostet (filename insurance.aes256). Für den Fall, dass Assange „etwas passiert“ haben WikiLeaks Volunteers ein „prearranged agreement“, dass Sie mit Publikation eines Passwortes oder einer Passphrase jedem, der dieses File downgeloaded hat, Zugang verschaffen. http://cryptome.org/0003/wikileaks-history.htm

Egal, wie dieser unglaubliche Krimi ausgeht und wie immer man zu Wikileaks steht, die geheimen Dokumente wurden von wikileaks „veröffentlicht“ und nicht entwendet.

Eine „Tat“, wie sie tagtäglich „verbrochen“ wird. Auch in Österreichs Medien und Magazinen lesen wir tagtäglich von solch geheimen Papiere: z.B. „Vernehmungsprotokolle der Staatsanwaltschaft“ in den „profils“ und „News“ dieses Landes.

Nur, dass sie dort durch eine Redaktion „interpretiert“ und kommentiert werden, was im Fall von Wikileaks dem Leser der unkommentierten Unterlagen selbst vorbehalten ist.

http://video.zeit.de/video/694893189001

http://video.zeit.de/video/696330595001

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Ein Gedanke zu “Wikileaks – eine mehrteilige Krimiserie?

  1. Der Fall Wikileaks ist ein Paradebeispiel, wie etablierte Strukturen der Macht, auch wenn sie demokratisch gewählt sind, Angst vor Kontrolle haben. Die Maßnahmen, wie Trennen von Domain und IP, Aufkündigen der Server, „Kappen“ des Spendenflusses usw. und die Gegenmaßnahmen, Angriff auf die Server von Paypal, Mastercard und Visa, sind ein echter Cyberwar. Wikileaks bzw. Assange hätten sicher gut daran getan, Assange rechtzeitig aus dem Fokus der Öffentlichkeit zu nehmen, um die Beschuldigungen in Schweden aktiv mit aufzuklären. Ich glaube, daß wir in Zukunft viele Wikileaks brauchen.

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