Marketingkurs von der Strasse

José und Lyndon sitzen im Schatten. Die Sonne brennt heiß auf die Steine der La Rambla – die berühmte Flaniermeile Barcelonas.
Seit bald zehn Jahren leben die beiden Bettler nun auf der Straße. Sie hängen ab und genießen ihre Zeit.Klingt komisch ist aber selbstgewählt.Sie sind nicht „arbeitslos“, sondern sie lassen andere arbeiten, genauer gesagt 4 Kaffeebecher Und vier Kartonschildchen: „For Wine“ – „For beer“ – „For Whiskey“ – „For the day after“.„Mikrotheater“ nennen sie ihren Job. 

Fast jeder, der vorbeigeht, muss schmunzeln. „Das könnte dir ruhig ´nen Euro wert sein“, ruft José. „Lachen ist gesund!“ ruft Lyndon hinterher.
Fast immer mit Erfolg, denn viele fassen genau dann zum Portemonnaie.

Fast jede Woche sitzen sie an einem anderen Touristen-Hotspot der iberischen Halbinsel.Immer dabei: Die beiden Hunde Whiskey und Resaca (spanisch für „Brummschädel“) und ihre Schildchen.

All das ist Teil einer „PR-Strategie“, die fast ein wenig charmant mit den „Vorurteilen zu Obdachlosen“ spielt.
Die beiden verstehen etwas von PR & Werbung:
José hat vor seiner zweiten Karriere als „Streuner“ die Marketingabteilung einer Solarenergiefirma geleitet.
Lyndon stammt aus Wales, und war IT-Fachmann in London.
Eines Tages hat er den Schlüssel seiner Eigentumswohnung einfach verschenkt und ist mit einem Oneway-Ticket nach Spanien gereist. Ähnlich tat es José, der seinen Job im Marketing einfach an den Nagel hängte.
Getroffen haben sich die beiden schließlich auf einer Parkbank in Granada.

Die beiden haben ein klar definiertes Ziel: Sie wollen Menschen zum Lachen und Grübeln bringen. Und dafür wollen sie Cash.
An einem guten Arbeitstag kommen so bis zu 1.500 Eur zusammen. An anderen auch mal gar nichts. Es hängt von ihrem Flow ab, von ihrer Interaktion mit anderen.
„Wir haben nur wenige Sekunden, um mit den Passanten in Kontakt zu treten.“ sagt Lyndon.Einmal täglich checkt Lyndon Mails, den Facebook-Account und das PayPal-Konto. Denn auch via www.lazybeggers.com wird Geld gemacht.

José und Lyndon beziehen weder Sozialhilfe, noch erhebt José Anspruch auf Rente, die ihm aufgrund seiner langjähriger Anstellung zusteht. Sie schlafen auf der Straße und sie sind berühmt. Ganz Spanien kennt die beiden und sogar CNN brachte einen Bericht über sie. Ihr Auftritt im spanischen Fernsehen müssen mit Gratis Bier „bezahlt“ werden.
Spanische BWL-Studenten kennen die beiden aus einem Guerilla-Marketingkurs, dort wird deren Konzept gelehrt. José und Lyndon sagen dazu: „Analytisch heruntergebrochen beruht unser Erfolg darauf, dass wir etwas absolut Gewöhnliches tun. Aber auf eine Weise, die sich von der Masse abhebt.“

Auch wenn „Obdachlosigkeit & Vollrausch“ kein Wunschszenario für die meisten ist, die Radikalität der beiden Wahlvagabunden ist grandios.
Sie fragen sich: Was will ich eigentlich? Und ziehen die Konsequenzen.
Sie fragen sich: Will ich jemandem auf der Tasche liegen? Sie finden die Antwort und dann einen Weg, sich selbst zu finanzieren.
Sie fragen: Welche Schilder bringen am meisten Kohle? Sie finden es heraus indem sie es ausprobieren und ziehen das dann durch…. Viele die mehr Mittel haben tun weniger Effizientes!

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