Visitors, Residents and Natives

Immer noch herrscht beim Thema Social Media im Bereich Marketing oft noch blanker Aktionismus. Briefinggespräche, die wir Agenturmenschen führen, driften oft in halbprivate und jedenfalls oft sinnentleerte Bereiche ab, wie „meine Kinder nutzen facebook. Ich will da auch rein! Was ist das eigentlich?“

Ich bin immer noch erstaunt, warum die digitale Welt und soziale Netzwerke die ursächlichen Kommunikationslogiken durchbrechen und in den Bereich der „tiefen Triebe und Dränge“ abgleiten. Mein Vergleich: „Es wäre so, wie wenn man früher ein leeres Direct Mail an einen Empfänger gesandt hätte, ohne zu wissen, was man hineinschreiben will, mit der Aufforderung zu sagen, was man lesen möchte und was man von meinem Unternehmen hält!“

Allzu gern wird Digital als ein weiterer Medienkanal missverstanden, der im Rahmen einer Gesamtstrategie „halt auch“ bespielt werden muss. Dabei ist es etwas gänzlich anderes: Wie das trendbuero völlig richtig feststellt, ist es ein „Kulturraum mit eigenen Normen und Werten“.

http://www.trendtag.de/thema/

Es treffen dort Mitglieder unserer Gesellschaft in einer zweiten Realität aufeinander. Aktuell herrscht allerdings eine pessimistische Stimmung, u.z. bezüglich der schier überwältigenden Menge an Optionen und Informationen, mit der man tagtäglich konfrontiert ist. Die einen beklagen die schiere Masse an Informationen (z.B. http://www.amazon.de/Payback-Informationszeitalter-gezwungen-Kontrolle-zur%C3%BCckgewinnen/dp/389667336X ), die anderen die Geschwindigkeit, mit der sie uns erreichen. Die Wohl größte Angst zur Zeit ist der „Kontrollverlust“.
Gestern erst war Technologie in den Händen einiger weniger monopolisiert. Heute ist sie demokratisiert und steckt als Smartphone fast schon in jeder Hosentasche. Und der nächste Schritt …?

 Zugänge zu Digitalität

Abgesehen von Verweigerern, die man nicht näher kommentieren muss, sind da die Digital Visitors. Sie wagen sich schrittweise voran: E-Mail, Amazon, Home-Banking, vielleicht die eine oder andere Mitgliedschaft bei Business-Netzwerken (Xing oder LinkedIn,..). Das Web bleibt für sie aber ein Instrument vergleichbar einem mit „virtuellen Post- und Bankschalter“, aber ohne „Third Places“.

Ganz anders die Digital Residents & Digital Natives. Für sie ist das Wort Internet-„Nutzer“ irreführend. Sie leben in der realen Virtualität. Nicht „online“ und „offline“, sondern „live“. Man geht nicht mehr „ins Internet“, man „ist im Internet“. Immer. Sie erwarten „die richtige Botschaft zum richtigen Zeitpunkt“. Digital bedeutet bei ihnen Mitgestaltung, nicht mehr Meinungsmacht.

Digital Natives – ein Begriff, den der amerikanischen E-Learning Experten Marc Prensky anno 2001 prägte. Sie sind jene Generation, die mit dem Web groß geworden sind und deren zweite Muttersprache die Semantik von Browsereingaben, das Verwalten und den Umgang mit zahlreichen Zugängen, Passwörten und Daten sowie das Recherchieren im Netz ist. ihre Lebensphilosophie (medial, gleichzeitig, freigeistig) versteht, wird sich künftig in der Netzwerkökonomie behaupten.

Es geht künftig darum, in einer komplex vernetzten Welt die eigenen Abhängigkeiten selbst zuwählen und kontrollierten Kontrollverlust zu praktizieren. Wie Menschen, Unternehmen und Gesellschaft selbstbestimmt zu ihrem eigenen Umgang finden, wird die große Frage der nächsten Jahre sein. Denn „der anschwellende Datenstrom ist längst über die Ufer der traditionellen Medienkanäle getreten. Die Deiche zwischen Kommunikation, Transaktion und Produktion sind unter den Bedingungen des Internets gebrochen. Die Grenzen von Arbeit und Freizeit verschmelzen zu einem einzigen Flow. Ein virtuelles Doppelleben zwischen Work-Flow und Life-Flow bietet unbekannte Chancen und Risiken. Für die nächsten Jahre wird es besonders darauf ankommen, dass man sich nicht nur für die neuen Technologien begeistert, sondern vor allem ihre kulturelle Akzeptanz analysiert.“  Mehr Philosophisches dazu unter http://www.trendtag.de/thema/ oder am 15.9.  am „15.deutschen Trendtag“

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